BNN-Interview mit Lena C. Schwelling: „Die CDU blockiert wie ein bockiges Kind“

15.05.2018

Mit freundlicher Genehmigung der Badischen Neuesten Nachrichten (BNN vom 11.5.2018, Ausgabe 107, S. 9)

„Die CDU blockiert wie ein bockiges Kind“

Die Grüne Jugend tagt am Wochenende in Karlsruhe / Digitalisierung der Schulen als Schwerpunktthema

Stuttgart/Karlsruhe. Von Freitag bis Sonntag findet die Landesmitgliederversammlung der Grünen Jugend in der Europäischen Schule in Karlsruhe statt. Im Mittelpunkt steht das Großthema Digitalisierung. Mit der Landessprecherin Lena C. Schwelling sprach BNN-Redakteur Wolfgang Voigt.

Frau Schwelling, die grünschwarze Koalition ist in schwerem Fahrwasser. Droht mittelfristig ein Bruch des Bündnisses?

Schwelling: In der Tat, dass die Herren in der CDU ausgerechnet die im Koalitionsvertrag vereinbarte Wahlrechtsreform als Spielfeld für ihre persönlichen Machtkämpfe missbrauchen, hat unser Vertrauen in den Juniorpartner tief erschüttert, da gibt es nichts zu beschönigen. Frauen, junge Menschen und Menschen mit internationalen Wurzeln sind im Landtag drastisch unterrepräsentiert. Wir Grünen wollen das mit einer Reform des Wahlrechts ändern, doch die CDU fürchtet um ihre Pfründe und blockiert wie ein bockiges Kind. Noch ist in dieser Sache das letzte Wort aber nicht gesprochen und Vertragstreue ist zwingend, damit das Bündnis bis zur nächsten Wahl hält.

Alle sprechen vom Megathema Digitalisierung. Was bedeutet es für die Bildungspolitik?

Schwelling: Bei der Digitalisierung an den Schulen wird viel zu sehr über Tablets, Glasfaser und Co gesprochen und viel zu wenig über die eigentliche Herausforderung. Denn die bessere digitale Ausstattung der Schulen ist zwar richtig, greift aber zu kurz. Wir erleben mit der Digitalisierung einen grundlegenden gesellschaftlichen Wandlungsprozess – insbesondere auch der Arbeitswelt. Das erfordert auch einen bildungspolitischen Kulturwandel. Selbstständiges Denken, Kreativität und all die Fähigkeiten, die Maschinen eben nicht besitzen, müssen deutlich besser gefördert werden. Und statt nach jeder Vergleichsstudie in Aktionismus zu verfallen, sollte das Kultusministerium seine Ressourcen besser dafür nutzen, sich mit diesen Zukunftsfragen zu beschäftigen

Könnte es sein, dass man sich unrealistisch viel von der Digitalisierung in den Schulen verspricht?

Schwelling: Wenn die Digitalisierung in den Schulen so verstanden wird, dass derselbe Unterricht wie eh und je jetzt eben an einem Whiteboard statt einer Tafel gehalten wird, dann auf jeden Fall! Wenn es aber gelingt, dass die Kinder in der Schule das lernen, was kein Algorithmus je wird ersetzen können, also eigenständige Entscheidungen zu treffen, selbstständiges und kritisches Denken, Überzeugungen und auch Werte, dann birgt das Thema Digitalisierung eine Riesenchance für unser aller Zukunft.

Am Geld kann es eigentlich nicht fehlen; nie waren die Steuereinnahmen so hoch wie momentan.

Schwelling: Das stimmt, aber wie so oft, ist es eine Frage der Verteilung. Im Moment werden die Kosten etwa für die technische Ausstattung der Schulen einzig und allein bei den Städten und Gemeinden abgeladen. Da muss das Land noch nachbessern.

Welche Themen haben Sie ansonsten für die kommenden Monate auf der Agenda?

Schwelling: Wir blicken schon voraus auf die Kommunalwahlen, die in rund einem Jahr stattfinden werden und die wir nutzen wollen, um junge Menschen für grüne Politik zu begeistern und zu kommunalpolitischem Engagement in Gemeinderäten, Kreistagen und Ortschaftsräten zu ermutigen. Wir Grünen sind die Partei mit dem jüngsten Altersdurchschnitt, und das ist kein Zufall, denn keine andere Partei kümmert sich so intensiv und glaubwürdig um die Perspektiven der kommenden Generationen.